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Politik


Ruud Lubbers - ein Nachruf

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Mr. No Nonsens - Ruud Lubbers passed away

 

Datum     : 15.2.2018

Mr. No Nonsense: Ruud Lubbers hat die Niederlande geprägt/Zum Tode eines großen Staatsmannes/Streit mit Helmut Kohl über deutsche Wiedervereinigung

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Mit 34 Jahren war er Wirtschaftsminister. Mit 43 Jahren Ministerpräsident der Niederlande, der jüngste Ministerpräsident, den Holland je hatte. Der Christdemokrat Ruud Lubbers regierte mit verschiedenen Koalitionspartnern die Niederlande von 1982 bis 1994, so lange wie niemand vor ihm und bisher niemand nach ihm. Er hat die Niederlande geprägt. Er hat den Oranjestaat vor dem wirtschaftlichen Ruin gerettet.

Am Valentinstag, dem 14. Februar 2018, starb Rodolphus, Franciscus, Marie, genannt ,,Ruud‘‘ Lubbers zu Hause bei seiner Familie in seiner Heimatstadt Rotterdam im Alter von 78 Jahren. Die Niederländer trauern um ihn. Das Land hat einen großen Sohn verloren.

,,Er war der Premier meiner Jugend. Sein Tod hat mich geschockt wie viele Niederländer,‘‘ sagt der heute amtierende niederländische Ministerpräsident, der Liberale Mark Rutte, über seinen Amtsvorgänger. Er hat den Niederlanden international eine Stimme gegeben.

Großer Staatsmann

,,Er war ein großer Staatsmann und ein überzeugter Christdemokrat,‘‘ so würdigt der Christdemokrat Sybrand Buma seinen engen Parteifreund. ,,Er hat uns durch die tiefe Wirtschaftskrise in den 80iger Jahren gelotst.‘‘

Das hat Lubbers getan. Als er im Jahr 1982 Ministerpräsident wurde und die Nachfolge des Sozialdemokraten Joop den Uyl in Den Haag übernahm, da lagen die Niederlande wirtschaftlich am Boden. Den Uyl - Spitzname: Der Weihnachtsmann - hatte das Land mit seiner Big Spender-Politik ruiniert. Die Arbeitslosigkeit stieg damals monatlich um 10.000 Personen. Die Staatsverschuldung war auf über 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Da trat der von Jesuiten erzogene Lubbers als Regierungschef einer christlich-liberalen Regierung an. Sein Motto lautete: No Nonsense - keinen Unfug mehr. Dem studierten Ökonomen Lubbers (Erasmus Universität, Rotterdam) gelang es in den zwölf Jahren seiner Amtszeit mit einer liberalen Wirtschaftspolitik die Niederlande und die niederländische Wirtschaft zu sanieren, die hohen Staatsschulden abzubauen und wieder viele neue Arbeitsplätze zu schaffen. Als er 1994 abgewählt wurde und der Sozialdemokrat Wim Kok neuer Premier in Den Haag wurde, waren die Niederlande wirtschaftlich wieder gesund. Das ist zweifellos seine größte innenpolitische Leistung. Außerdem gelang es Lubbers, die Niederlande im Boot der Nato in der Nachrüstungsdebatte zu halten, als die Nachrüstungsgegner in Holland gegen den Nato-Doppelbeschluss mobil machten - ,,Kruisraketen - Nee‘‘ - Keine Marschflugkörper, lautete das Motto der Nachrüstungsgegner.

Streit mit Helmut Kohl - gegen Wiedervereinigung

Auch außenpolitisch spielte Ruud Lubbers im Konzert der Großen als ,,größtes der kleinen Länder‘‘ voll mit. Doch auf diesem Feld leistete er sich einen Ausrutscher, der ihn die internationale und europäische Karriere, die er ebenfalls anstrebte, kostete. Ruud Lubbers war nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 vehement gegen die deutsche Wiedervereinigung. Er spannte mit seiner Kollegin und engen Freundin, der damaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher zusammen. Er versuchte alles, die deutsche Einheit zu verhindern. Sein Vorschlag: Eine große internationale Konferenz der UNO-Staaten in Den Haag, die über die deutsche Einheit beraten sollte. Wäre diese Mega-Konferenz zu Stande gekommen, wäre die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wohl auf den St. Nimmerleinstag verschoben worden. Der damalige deutsche Kanzler Helmut Kohl war deswegen so sauer auf Ruud Lubbers, dass er den Satz sprach: ,,So lange ich Bundeskanzler bin, wird dieser Mann kein hohes internationales Amt bekleiden.‘‘ So kam es.

Helmut Kohl verhinderte mit seinem Veto, dass Ruud Lubbers EU-Kommissionspräsident werden konnte. Helmut Kohl blockierte Lubbers, als der sich anschickte Nato-Generalsekretär zu werden. Beide Ämter bekam Lubbers nicht. Zwischen Helmut Kohl und Ruud Lubbers war eine echte Männerfeindschaft entstanden. Lubbers selbst ließ sich in einem Gespräch mit HM HetzelMedia, das ,,off the record‘‘ geführt wurde, entfallen: ,,Ich hoffe, dass Helmut Kohl nicht wieder gewählt wird.‘‘

Doch 2001 gelang Ruud Lubbers doch noch der Sprung auf ein hohes Amt in der internationalen Arena, weil Helmut Kohl nicht mehr in Amt und Würden war. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan ernannte ihn zum Hohen Kommissar der UNO für Flüchtlinge (UNHCR). Vier Jahre lang setzte sich Lubbers voll und ganz für das Wohl der Flüchtlinge in der ganzen Welt ein. Doch dann stolperte er über eine seiner Leidenschaften. In Den Haag war der Unternehmersohn, Ökonom und Vollblutpolitiker längst als ,,Womanizer‘‘ als ein Mann, der die Frauen liebt, bekannt. Bei der UNO gefiel ihm wohl besonders die amerikanische UN-Mitarbeiterin Cynthia Brzak. Doch die mochte seine Annäherungen gar nicht und reichte bei der UNO eine Klage gegen Lubbers ein. Folge: 2005 musste Lubbers als Hoher Kommissar der UNO zurücktreten. Es war eine #metoo-Affäre avant la lettre.

Danach gab Lubbers, der aus einer steinreichen Rotterdamer Unternehmersfamilie stammt und selbst Multimillionär war, noch Vorlesungen als Ökonomie-Professor und war ein gefragter Ratgeber für viele prominente niederländische Politiker - nicht nur christdemokratische. Sie alle werden ihn vermissen. Und nicht nur sie. Bye bye Ruud.

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

 

 


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 18. Februar 2018 um 15:59 Uhr
 

Ruud Lubbers - ein Nachruf

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Mr. No Nonsens - Ruud Lubbers passed away

 

Datum     : 15.2.2018

Mr. No Nonsense: Ruud Lubbers hat die Niederlande geprägt/Zum Tode eines großen Staatsmannes/Streit mit Helmut Kohl über deutsche Wiedervereinigung

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Mit 34 Jahren war er Wirtschaftsminister. Mit 43 Jahren Ministerpräsident der Niederlande, der jüngste Ministerpräsident, den Holland je hatte. Der Christdemokrat Ruud Lubbers regierte mit verschiedenen Koalitionspartnern die Niederlande von 1982 bis 1994, so lange wie niemand vor ihm und bisher niemand nach ihm. Er hat die Niederlande geprägt. Er hat den Oranjestaat vor dem wirtschaftlichen Ruin gerettet.

Am Valentinstag, dem 14. Februar 2018, starb Rodolphus, Franciscus, Marie, genannt ,,Ruud‘‘ Lubbers zu Hause bei seiner Familie in seiner Heimatstadt Rotterdam im Alter von 78 Jahren. Die Niederländer trauern um ihn. Das Land hat einen großen Sohn verloren.

,,Er war der Premier meiner Jugend. Sein Tod hat mich geschockt wie viele Niederländer,‘‘ sagt der heute amtierende niederländische Ministerpräsident, der Liberale Mark Rutte, über seinen Amtsvorgänger. Er hat den Niederlanden international eine Stimme gegeben.

Großer Staatsmann

,,Er war ein großer Staatsmann und ein überzeugter Christdemokrat,‘‘ so würdigt der Christdemokrat Sybrand Buma seinen engen Parteifreund. ,,Er hat uns durch die tiefe Wirtschaftskrise in den 80iger Jahren gelotst.‘‘

Das hat Lubbers getan. Als er im Jahr 1982 Ministerpräsident wurde und die Nachfolge des Sozialdemokraten Joop den Uyl in Den Haag übernahm, da lagen die Niederlande wirtschaftlich am Boden. Den Uyl - Spitzname: Der Weihnachtsmann - hatte das Land mit seiner Big Spender-Politik ruiniert. Die Arbeitslosigkeit stieg damals monatlich um 10.000 Personen. Die Staatsverschuldung war auf über 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Da trat der von Jesuiten erzogene Lubbers als Regierungschef einer christlich-liberalen Regierung an. Sein Motto lautete: No Nonsense - keinen Unfug mehr. Dem studierten Ökonomen Lubbers (Erasmus Universität, Rotterdam) gelang es in den zwölf Jahren seiner Amtszeit mit einer liberalen Wirtschaftspolitik die Niederlande und die niederländische Wirtschaft zu sanieren, die hohen Staatsschulden abzubauen und wieder viele neue Arbeitsplätze zu schaffen. Als er 1994 abgewählt wurde und der Sozialdemokrat Wim Kok neuer Premier in Den Haag wurde, waren die Niederlande wirtschaftlich wieder gesund. Das ist zweifellos seine größte innenpolitische Leistung. Außerdem gelang es Lubbers, die Niederlande im Boot der Nato in der Nachrüstungsdebatte zu halten, als die Nachrüstungsgegner in Holland gegen den Nato-Doppelbeschluss mobil machten - ,,Kruisraketen - Nee‘‘ - Keine Marschflugkörper, lautete das Motto der Nachrüstungsgegner.

Streit mit Helmut Kohl - gegen Wiedervereinigung

Auch außenpolitisch spielte Ruud Lubbers im Konzert der Großen als ,,größtes der kleinen Länder‘‘ voll mit. Doch auf diesem Feld leistete er sich einen Ausrutscher, der ihn die internationale und europäische Karriere, die er ebenfalls anstrebte, kostete. Ruud Lubbers war nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 vehement gegen die deutsche Wiedervereinigung. Er spannte mit seiner Kollegin und engen Freundin, der damaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher zusammen. Er versuchte alles, die deutsche Einheit zu verhindern. Sein Vorschlag: Eine große internationale Konferenz der UNO-Staaten in Den Haag, die über die deutsche Einheit beraten sollte. Wäre diese Mega-Konferenz zu Stande gekommen, wäre die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wohl auf den St. Nimmerleinstag verschoben worden. Der damalige deutsche Kanzler Helmut Kohl war deswegen so sauer auf Ruud Lubbers, dass er den Satz sprach: ,,So lange ich Bundeskanzler bin, wird dieser Mann kein hohes internationales Amt bekleiden.‘‘ So kam es.

Helmut Kohl verhinderte mit seinem Veto, dass Ruud Lubbers EU-Kommissionspräsident werden konnte. Helmut Kohl blockierte Lubbers, als der sich anschickte Nato-Generalsekretär zu werden. Beide Ämter bekam Lubbers nicht. Zwischen Helmut Kohl und Ruud Lubbers war eine echte Männerfeindschaft entstanden. Lubbers selbst ließ sich in einem Gespräch mit HM HetzelMedia, das ,,off the record‘‘ geführt wurde, entfallen: ,,Ich hoffe, dass Helmut Kohl nicht wieder gewählt wird.‘‘

Doch 2001 gelang Ruud Lubbers doch noch der Sprung auf ein hohes Amt in der internationalen Arena, weil Helmut Kohl nicht mehr in Amt und Würden war. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan ernannte ihn zum Hohen Kommissar der UNO für Flüchtlinge (UNHCR). Vier Jahre lang setzte sich Lubbers voll und ganz für das Wohl der Flüchtlinge in der ganzen Welt ein. Doch dann stolperte er über eine seiner Leidenschaften. In Den Haag war der Unternehmersohn, Ökonom und Vollblutpolitiker längst als ,,Womanizer‘‘ als ein Mann, der die Frauen liebt, bekannt. Bei der UNO gefiel ihm wohl besonders die amerikanische UN-Mitarbeiterin Cynthia Brzak. Doch die mochte seine Annäherungen gar nicht und reichte bei der UNO eine Klage gegen Lubbers ein. Folge: 2005 musste Lubbers als Hoher Kommissar der UNO zurücktreten. Es war eine #metoo-Affäre avant la lettre.

Danach gab Lubbers, der aus einer steinreichen Rotterdamer Unternehmersfamilie stammt und selbst Multimillionär war, noch Vorlesungen als Ökonomie-Professor und war ein gefragter Ratgeber für viele prominente niederländische Politiker - nicht nur christdemokratische. Sie alle werden ihn vermissen. Und nicht nur sie. Bye bye Ruud.

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 18. Februar 2018 um 15:58 Uhr
 

Ruud Lubbers - ein Nachruf

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Mr. No Nonsens - Ruud Lubbers passed away

 

Datum     : 15.2.2018

Mr. No Nonsense: Ruud Lubbers hat die Niederlande geprägt/Zum Tode eines großen Staatsmannes/Streit mit Helmut Kohl über deutsche Wiedervereinigung

Von HELMUT HETZEL

Den Haag. Mit 34 Jahren war er Wirtschaftsminister. Mit 43 Jahren Ministerpräsident der Niederlande, der jüngste Ministerpräsident, den Holland je hatte. Der Christdemokrat Ruud Lubbers regierte mit verschiedenen Koalitionspartnern die Niederlande von 1982 bis 1994, so lange wie niemand vor ihm und bisher niemand nach ihm. Er hat die Niederlande geprägt. Er hat den Oranjestaat vor dem wirtschaftlichen Ruin gerettet.

Am Valentinstag, dem 14. Februar 2018, starb Rodolphus, Franciscus, Marie, genannt ,,Ruud‘‘ Lubbers zu Hause bei seiner Familie in seiner Heimatstadt Rotterdam im Alter von 78 Jahren. Die Niederländer trauern um ihn. Das Land hat einen großen Sohn verloren.

,,Er war der Premier meiner Jugend. Sein Tod hat mich geschockt wie viele Niederländer,‘‘ sagt der heute amtierende niederländische Ministerpräsident, der Liberale Mark Rutte, über seinen Amtsvorgänger. Er hat den Niederlanden international eine Stimme gegeben.

Großer Staatsmann

,,Er war ein großer Staatsmann und ein überzeugter Christdemokrat,‘‘ so würdigt der Christdemokrat Sybrand Buma seinen engen Parteifreund. ,,Er hat uns durch die tiefe Wirtschaftskrise in den 80iger Jahren gelotst.‘‘

Das hat Lubbers getan. Als er im Jahr 1982 Ministerpräsident wurde und die Nachfolge des Sozialdemokraten Joop den Uyl in Den Haag übernahm, da lagen die Niederlande wirtschaftlich am Boden. Den Uyl - Spitzname: Der Weihnachtsmann - hatte das Land mit seiner Big Spender-Politik ruiniert. Die Arbeitslosigkeit stieg damals monatlich um 10.000 Personen. Die Staatsverschuldung war auf über 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Da trat der von Jesuiten erzogene Lubbers als Regierungschef einer christlich-liberalen Regierung an. Sein Motto lautete: No Nonsense - keinen Unfug mehr. Dem studierten Ökonomen Lubbers (Erasmus Universität, Rotterdam) gelang es in den zwölf Jahren seiner Amtszeit mit einer liberalen Wirtschaftspolitik die Niederlande und die niederländische Wirtschaft zu sanieren, die hohen Staatsschulden abzubauen und wieder viele neue Arbeitsplätze zu schaffen. Als er 1994 abgewählt wurde und der Sozialdemokrat Wim Kok neuer Premier in Den Haag wurde, waren die Niederlande wirtschaftlich wieder gesund. Das ist zweifellos seine größte innenpolitische Leistung. Außerdem gelang es Lubbers, die Niederlande im Boot der Nato in der Nachrüstungsdebatte zu halten, als die Nachrüstungsgegner in Holland gegen den Nato-Doppelbeschluss mobil machten - ,,Kruisraketen - Nee‘‘ - Keine Marschflugkörper, lautete das Motto der Nachrüstungsgegner.

Streit mit Helmut Kohl - gegen Wiedervereinigung

Auch außenpolitisch spielte Ruud Lubbers im Konzert der Großen als ,,größtes der kleinen Länder‘‘ voll mit. Doch auf diesem Feld leistete er sich einen Ausrutscher, der ihn die internationale und europäische Karriere, die er ebenfalls anstrebte, kostete. Ruud Lubbers war nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 vehement gegen die deutsche Wiedervereinigung. Er spannte mit seiner Kollegin und engen Freundin, der damaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher zusammen. Er versuchte alles, die deutsche Einheit zu verhindern. Sein Vorschlag: Eine große internationale Konferenz der UNO-Staaten in Den Haag, die über die deutsche Einheit beraten sollte. Wäre diese Mega-Konferenz zu Stande gekommen, wäre die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wohl auf den St. Nimmerleinstag verschoben worden. Der damalige deutsche Kanzler Helmut Kohl war deswegen so sauer auf Ruud Lubbers, dass er den Satz sprach: ,,So lange ich Bundeskanzler bin, wird dieser Mann kein hohes internationales Amt bekleiden.‘‘ So kam es.

Helmut Kohl verhinderte mit seinem Veto, dass Ruud Lubbers EU-Kommissionspräsident werden konnte. Helmut Kohl blockierte Lubbers, als der sich anschickte Nato-Generalsekretär zu werden. Beide Ämter bekam Lubbers nicht. Zwischen Helmut Kohl und Ruud Lubbers war eine echte Männerfeindschaft entstanden. Lubbers selbst ließ sich in einem Gespräch mit HM HetzelMedia, das ,,off the record‘‘ geführt wurde, entfallen: ,,Ich hoffe, dass Helmut Kohl nicht wieder gewählt wird.‘‘

Doch 2001 gelang Ruud Lubbers doch noch der Sprung auf ein hohes Amt in der internationalen Arena, weil Helmut Kohl nicht mehr in Amt und Würden war. Der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan ernannte ihn zum Hohen Kommissar der UNO für Flüchtlinge (UNHCR). Vier Jahre lang setzte sich Lubbers voll und ganz für das Wohl der Flüchtlinge in der ganzen Welt ein. Doch dann stolperte er über eine seiner Leidenschaften. In Den Haag war der Unternehmersohn, Ökonom und Vollblutpolitiker längst als ,,Womanizer‘‘ als ein Mann, der die Frauen liebt, bekannt. Bei der UNO gefiel ihm wohl besonders die amerikanische UN-Mitarbeiterin Cynthia Brzak. Doch die mochte seine Annäherungen gar nicht und reichte bei der UNO eine Klage gegen Lubbers ein. Folge: 2005 musste Lubbers als Hoher Kommissar der UNO zurücktreten. Es war eine #metoo-Affäre avant la lettre.

Danach gab Lubbers, der aus einer steinreichen Rotterdamer Unternehmersfamilie stammt und selbst Multimillionär war, noch Vorlesungen als Ökonomie-Professor und war ein gefragter Ratgeber für viele prominente niederländische Politiker - nicht nur christdemokratische. Sie alle werden ihn vermissen. Und nicht nur sie. Bye bye Ruud.

/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

 

 


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 18. Februar 2018 um 15:45 Uhr
 

König Willem-Alexander und Königin Maxima treten an

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Beatrix - Ex-Königin

Bye bye Beatrix

Willem-Alexander tritt als König der Niederlande an - Maxima wird Königin

HM-Gespräch mit dem neuen König und der neuen Königin der Niederlande

Von HELMUT HETZEL

Sie wirken entspannt, sind gut aufgelegt und immer zu einem Scherz bereit. Doch bevor der künftige König der Niederlande Willem-Alexander und die künftige Königin Maxima mit einem Einleitungsstatement das Wort ergreifen können, wird noch einmal klargestellt: ,,Es findet kein Interview statt. Über alles, was gesagt wird, kann berichtet werden, ohne die Königlichen Hoheiten jedoch wörtlich zu zitieren,‘‘ sagt Henk Brons, der Chef des ,,Rijksvoorlichtingsdienstes‘‘ (RVD) und gleichzeitig in dieser Funktion auch Sprecher des künftigen königlichen Paares.

Willem-Alexander und Maxima

 

König Willem-Alexander und Königin Maxima


Dann geht es Schlag auf Schlag. Willem-Alexander, der am 27. April 46 Jahre wird und ab 30. April König der Niederlande und Staatoberhaupt sein wird, nimmt kein Blatt vor den Mund. Das gilt auch für seine charmante Gattin Prinzessin Maxima. Nervös? - nein nervös seien sie gar nicht, was den Thronwechsel betrifft. Es könne natürlich immer etwas schief gehen, flachst Willem-Alexander. Beispielsweise das, dass der Füllfederhalter nicht funktioniere, mit dem seine Mutter die Abdankungsurkunde unterschreiben wolle. Auch den heiklen Themen weichen die beiden Königlichen Hoheiten in dem Gespräch nicht aus.

Vater Jorge Zorreguieta

Auf die Frage, ob es sie schmerze, dass ihre Eltern bei der Inthronisierung am 30. April in Amsterdam nicht anwesend sein können, antwortet Prinzessin Maxima, das sei einhellig so in der Familie beschlossen worden. Es sei kein Thema mehr. Die Eltern der aus Argentinien stammenden Prinzessin Maxima (41) müssen dem Krönungsfest fernbleiben, weil Maximas Vater Jorge Zorreguieta eine politisch beladene Vergangenheit hat. Er war während der Militärdiktatur in Argentinien 1976-1983 Landwirtschaftsminister. Die Militärjunta unter General Jorge Videla soll nach Schätzungen von Amnesty International 30.000 Argentinier ermordet haben.
Über seine Mutter, die scheidende Königin Beatrix (75), sagt ihr ältester Sohn und Nachfolger Willem-Alexander, dass sie in ihrer 33jährigen Amtszeit als Königin die Monarchie ständig modernisiert habe. Sie sei sehr flexibel und anpassungsfähig gewesen. Sie habe die Latte sehr hoch gelegt, es werde nicht einfach sein ihre Professionalität fortzusetzen. Aber er werde es versuchen und sein Bestes für sein Land geben.

Neuer Stil

Deutlich wird in dem Gespräch auch, dass Willem-Alexander und Maxima als neues Königspaar der Niederlande eigene Akzente setzen werden. Sie wollen ihren eigen Stil entwickeln. Das beginne schon mit den Staatsbesuchen. Der erste, der am 24. Mai in Luxemburg stattfindet und der zweite Anfang Juni in Deutschland, sollten kurz und informativ sein, zum Kennenlernen eben. Ähnliche kurze Staatsbesuche in anderen Ländern würden dann schnell folgen. Noch-Kronprinz Willem-Alexander und Noch-Prinzessin Maxima betonen in diesem Zusammenhang, dass sie auf ihren Staatsbesuchen den wirtschaftlichen Interessen der Niederlande einen großen Stellenwert geben wollen. Willem-Alexander enthüllt dann, dass ihn seine Mutter schon vor eineinhalb Jahren darüber informiert habe, dass sie am 30. April 2013 abdanken wolle. Das heißt also, Königin Beatrix hatte ihre Abdankung bereits beschlossen, bevor ihr zweitältester Sohn Prinz Friso (44) am 17. Februar 2012 beim Skifahren im österreichischen Lech am Arlberg von einer Lawine verschüttet wurde. Das schreckliche Lawinenunglück seitdem Prinz Friso im Koma liegt, war also nicht der Auslöser für den Rücktritt von Königin Beatrix von ihrem hohen Amt.
Zu dem ganzen Trubel über das für sie anlässlich der Inthronisierung eigens komponierte Königslied wollten weder Willem-Alexander noch Prinzessin Maxima ausführlich Stellung nehmen. Das Wichtigste sei doch, dass es schön gesungen werde am 30. April, meinten sie übereinstimmend und dass es die Niederländer verbinde und nicht spalte. Genau das aber hat das Königslied bewirkt. Es spaltet die Nation. Keinen Zweifel ließ das künftige Staatsoberhaupt der Niederlande daran, dass er ein überzeugter Demokrat ist. Er werde alle Gesetze, die im Parlament demokratisch beschlossen und verabschiedet werden, unterschreiben. Zustände wie in Belgien werde es unter seiner Amtszeit in den Niederlanden nicht geben, betonte der künftige König. Er spielte damit darauf an, dass der frühere belgische König Baudouin sich in seiner Amtszeit geweigert hatte, ein neues Gesetz zu unterschreiben, das die Abtreibung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft legalisierte. Diese Weigerung des einstigen strenggläubigen katholischen belgischen Königs Baudouin löste damals in Belgien eine konstitutionelle Krise aus. Willem-Alexander ging sogar soweit, einzugestehen, er werde selbst ein Gesetz unterschreiben, mit dem die Monarchie in den Niederlanden abgeschafft werden solle. Voraussetzung, es sei demokratisch beschlossen worden. Dann werde das eben seine letzte Unterschrift sein, scherzte er.

Der neue König der Niederlande Willem-Alexander I.


Willem-Alexander Claus George Ferdinand Prinz von Oranien, Prinz der Niederlande, Prinz von Oranien-Nassau und Junker von Amsberg wurde am 27. April 1967 als ältester von drei Söhnen von Königin Beatrix und Prinz Claus in Utrecht geboren. Er hatte eine heftige Sturm und Drangzeit als junger Student an der Universität Leiden. Damals nannten Kommilitonen ihn dort ,,Prinz Pils,‘‘ weil er gerne ein Bierchen trank. Zu seiner stürmischen Studentenzeit gehörten auch wechselnde Liebschaften. Die Beziehung zu der Zahnarzttochter Emily war besonders heftig - aber nicht von Dauer. Auf einem Fest in Sevilla, das vom spanischen Hof organisiert wurde, lernte Willem-Alexander dann seine heutige Gattin, die gebürtige Argentinierin Prinzessin Maxima kennen. Sie heirateten am 2.2.2002. Gemeinsam haben sie inzwischen drei Töchter: Amalia, Alexia und Arianne. Hollands künftiger König ist ein begeisterter Sportfan. Er war Mitglied des internationalen Olympischen Komitees. Er ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft und des Wassermanagements und fliegt als Pilot gerne selbst. Aus dem einstigen ,,Prinz Pils‘‘ wird am 30. April König Willem-Alexander I.


Link: www.koninklijkhuis.nl

 

30.4.2013


/ Textende / Copyright © by HELMUT HETZEL / Den Haag

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 30. April 2013 um 08:10 Uhr
 

Holland: Fehlstart von Mark Rutte

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Der Fehlstart des Mark Rutte

Eine Analyse von Helmut Hetzel, Den Haag

"Ich habe als Verhandlungsführer der VVD Fehler gemacht. Es war falsch, die Prämienzahlungen für die staatliche Gesundheitsversicherung vom Einkommen abhängig zu machen. Das wurde von meiner Partei nicht akzeptiert. Daher entschuldige ich mich hiermit dafür und für alle Verwirrungen, die entstanden sind."

So lautet die Entschuldigung des liberalen niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte für den Fehlstart des von ihm geleiteten Kabinetts "Rutte II". Der 45-Jährige machte in aller Öffentlichkeit einen verbalen Kniefall. Der war nötig, weil der Haager Regierungschef der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie VVD während der Koalitionsverhandlungen mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei PvdA, zentrale liberale Prinzipien aufgegeben hatte. Aus Mark Rutte wurde ,,Marx Rutte‘‘, wie der ,,Telegraaf‘‘ schrieb.

Folge: Es musste nachverhandelt werden. Rutte, der sonst so flamboyante Sonnyboy der Haager Politik, musste sich in Demut üben. Aber seine Glaubwürdigkeit ist angekratzt, weil er in den Verhandlungen mit der PvdA zentrale liberale Prinzipien aufgab. In der ersten Runde ebenso wie in der zweiten Runde. So wird die Steuerabzugsfähigkeit der Hypothekenzinsen künftig sukzessive reduziert. Das hat Auswirkungen auf den ohnehin schon kränkelnden Immobilienmarkt in den Niederlanden. Wohin aber eine Immobilienkrise die Wirtschaft eines Landes führen kann, das haben wir in den USA 2008 gesehen, das erleben wird gerade in Spanien.

Auch mit dem nachverhandelnden Koalitionsprogramm der sozialliberalen Haager Regierung aus VVD und PvdA wird viel Kaufkraft in der Bevölkerung abgeschöpft. Schätzungsweise eine Million Haushalte werden dadurch viel weniger Geld in der Tasche haben - und viel weniger Geld ausgeben können. Das wird sich auf das Konsumverhalten negativ auswirken. Ebenso wie die bereits vollzogene Mehrwertsteuererhöhung von einst 19 auf jetzt 21 Prozent.

Mark Rutte als lame duck

Am schlimmsten aber ist der psychologische Effekt dieses Fehlstarts von "Rutte II". Er hat in großen Teilen der Bevölkerung Verunsicherung ausgelöst. Wirtschaft ist zu einem großen Teil Psychologie. Der Vertrauensverlust, den das Kabinett geschaffen hat, trägt nicht gerade dazu bei, Hollands stagnierende Ökonomie wieder in Schwung zu bringen. Im Gegenteil. Jan Modaal, der niederländische Otto Normalverbraucher, wird jeden Euro nun zweimal umdrehen, bevor er ihn ausgibt. Und das, zumal der private Konsum schon lange zur Achillesferse der Konjunktur geworden ist.

Wer glauben sollte, innerhalb der neuen sozialliberalen Haager Regierung herrsche nun wieder Friede, Freude, Eierkuchen, der irrt. Der schwache Auftakt, den diese Regierung hinlegte, dürfte noch einige Zeit nachwirken. Unterm Strich belastet der Fehlstart die Stabilität innerhalb der Haager Regierungskoalition. Es gibt schon Stimmen, die behaupten, die ersten Tage seien bereits der Anfang vom Ende der Koalition. Einer Koalition, die noch nicht einmal einen Monat im Amt ist.

Ministerpräsident Mark Rutte jedenfalls darf sich jetzt keine großen Fehler mehr erlauben. Seine sozial-liberale Koalition aus VVD und PvdA mag zwar im Haager Parlament, der Zweiten Kammer, über die meisten Sitze verfügen. In der Ersten Kammer der Volksvertretung, dem Senat, verfügt die VVD-PvdA-Koalition dagegen nicht über diese erforderliche Mehrheit. Vor allem dieser Umstand kann für die VVD/PvdA-Koalition künftig sehr gefährlich werden. Mark Rutte ist nun - wie die Amerikaner zu sagen pflegen - eine "lame duck", eine lahme Ente. Es ist fraglich, ob "Rutte II" die volle Legislaturperiode überleben wird. Manch einer bezweifelt, ob es bei einem vorzeitigen Scheitern noch ein Kabinett "Rutte III" geben würde.

Helmut Hetzel arbeitet seit 1985 als Benelux-Korrespondent in Den Haag für Medien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und den Niederlanden.

Link:

http://www.dnhk.org/publikationen2/dnhk-fact/fact-nachrichten-99/

 

 


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